Europa um 1900


Ein Historiker hat es so formuliert: "Der 1.Weltkrieg war die Ur-Mutter aller humanitären Katastrophen des 20.Jahrhunderts". Vor diesem Hintergrund ist es sicherlich interessant einmal die Lage der Dinge vor dem 1.Weltkrieg zu analysieren. Wie waren die Machtverhältnisse in Europa und was führte, letzten Endes, hin zum 1.Weltkrieg, der ja auch Ostpreussen bzw. Masuren betraf.

Im Jahre 1900 war die vorherrschende Regierungsform die Monarchie. Es existierten fünf große Mächte, die man der Karte entnehmen kann. Monarchien herrschten in Österreich/Ungarn, England, Russland und Deutschland. England und Frankreich waren Kolonialmächte. Führend war hier England, welches insgesamt ein fünftel der gesamten Erde beherrschte!

Aus der Thematik der Kolonialisierung ergab sich die erste Problematik in Bezug auf das Deutsche Reich. Dieses bestand erst seit 1870 und war demzufolge zu "jung", um selber zur Kolonialmacht aufzusteigen. Oder sagen wir es salopper: Die besten Stücke des Kolonialkuchens waren schon längst verteilt!

Masuren Ostpreussen Infobild Der Deutsche Kaiser sah in diesen Umständen eine echte Benachteiligung Deutschlands. Er musste aber auch zur Kenntnis nehmen, dass England damals eine Supermacht darstellte, was den Bereich der Flotte anging. Die Briten beherrschten die Meere und konnten demzufolge ungehindert Reichtümer aus ihren Kolonialgebieten einführen.

Obschon Kaiser Wilhelm der II. enge verwandtschaftliche Bande zum Eglischen Königshaus verband (Queen Victoria war seine Grossmutter) begann das Deutsche Reich ein Wettrüsten mit den Briten, bezogen auf das Thema der Flotte.

Die Franzosen standen dem Deutschen Reich wenig positiv gegenüber, da der Deutsch Französische Krieg erst wenige Jahrzehnte zurück lag. Frankreich befand sich aber auch in der Konkurrenzsituation zu England, die man ja fast schon als traditionell bezeichnen musste.

Ein weiteres Pulverfass bildete das Königreich Österreich-Ungarn. Dieses Königreich war ein Staat bestehend aus vielen Völkern. Besonders brisant gestaltete sich hierbei der Balkan! Letzten Endes kam das Fass zum Überlaufen als das Thronfolger Paar in Sarajevo einem Attentat zum Opfer fiel. Der Grund für dieses Pulverfass war klar: Bevölkerungsgruppen (z.B. die Serben) fühlten sich dem Königreich Österreich-Ungarn nicht verbunden.

Und schliesslich sass auch Zar Peter von Russland alles andere als fest im Sattel. Die verarmte Bevölkerung stand der Monarchie negativ gegenüber. Dies sollte letzten Endes in der Oktoberrevolution enden, die 1917 das Ende der Monarchie bedeutete. Russland wurde ab diesem Zeitpunkt zu einem kommunistischen Staat.

Man kann um 1900 zwei Tendenzen beobachten! Die Industrialisierung läutete das Ende der Monarchie ein. Die Menschen lebten oft unter sehr armen Bedingungen und wurden teilweise ausgebeutet. Derweil lebte der Adel und die Monarchie sehr gut und verfügte über Macht und Geld. Die Industrialisierung sorgte jedoch dafür, dass sich mehr und mehr Ballungsräume bildeten. Das bisherige traditionelle Leben eines Agrarstaates fand sein Ende. Man stand an der Schwelle zu einer neuen Zeit, neuer Mobilität, neuer Ideen und neuer Sichtweisen.

Auf der anderen Seite ist unverkennbar, dass es ein Ringen um die Vorherrschaft in Europa oder der Welt gab. Industrialisierung und Rüstung erfordern Kapital und Rohstoffe. Es wurde ersichtlich, dass Kriege nicht mehr alleine durch den Faktor Mensch entschieden werden. Immer mehr spielten Waffen und Waffentechnik eine entscheidende Rolle!

Europa war also, zu dieser Zeit, ein sehr instabiles Gebilde. Man muss hierbei auch bedenken, dass im Europa der 19. und 18.Jahrhunderts immer wieder Allianzen zwischen Staaten Europas geschlossen und wieder verworfen wurden.

Die Mutter Europas war, über Jahrzehnte, Queen Victoria von England. Sie war eine Art Kupplerin und sorgte immer wieder dafür, dass Königshäuser Europas per Ehe Banden zueinander schlossen. Mit ihrem Tode im Jahre 1901 stand diese Mutter Europas nicht mehr zur Verfügung. Dies mag, vielleicht symbolisch oder aber auch faktisch, die folgenden Geschehnisse eingeläutet haben.

Das Europa vor dem 1.Weltkrieg kannte durchaus Allianzen und Pulverfässer, was Grenzen betraf. So standen sich Serben und Russen nahe! Russland war hierbei insbesondere die Ausdehnung Österreich/Ungarns ein Dorn im Auge. Da gab es ebenfalls Unsicherheiten, was die Grenze Italiens und Österreich/Ungarns anging. Man muss bedenken, dass Österreich/Ungarn damals sogar Flottenmacht war. Dies begründete sich durch die Gebiete des Königreiches an der Adria.

Dann gab es natürlich auch den Grenzkonflikt der Grenze zwischen Frankreich und Deutschland! Es war ja nicht einmal 100 Jahre her, dass weite des Rheinlandes zu Frankreich gehörten. Und natürlich muss man auch sehen, dass im Deutsch Französischen Krieg Mitte des 19.Jahrhunderts Russland Partei für Deutschland (bzw. Preussen) bezog.

Das Europa vor dem 1.Weltkrieg wartete, irgendwie und irgendwo, auf den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen würde. Und dieser Tropfen war das o.g. Attentat von Sarajevo! Es kam zu einer Kettenreaktion! Österreich erklärte Serbien den Krieg. Dies erwiderte Russland mit einer Kriegserklärung an Österreich. Daraufhin trat Deutschland Österreich zur Seite. Nun sahen England und Frankreich ihre Vormachtstellungen bedroht und traten in den Krieg gegen die Achsenmächte (Deutschland und Österreich) ein. Es begann, im Rahmen des 1.Weltkrieges, das Ringen um die Vorherrschaft in Europa.

Im übrigen trat Amerika, im Verlaufe des Krieges, vor allem aus fiskalen Gründen in den Krieg ein. Man muss bedenken, dass viel amerikanisches Kapital in Europa steckte. Mit dem Eintritt in den Krieg ging es vor allem um die Sicherung dieser Vermögenswerte.

Man muss aber auch sehen, dass die Amerikaner einen anderen Abschluss dieses Krieges wünschten. Ihrer Ansicht nach sollte ein Friedensvertrag ausgehandelt werden, der die Souveränität der Verlierer erhalten hätte. Leider wurden die Amerikaner, an dieser Stelle, von England und Frankreich, nicht gehört.

Das Ende des Krieges besiegelte der Vertrag von Versaille, der mehr ein Diktat der Siegermächte war. Sinn dieses Vertrages war die Achsenmächte in reine Agragstaaten zu transformieren. Dies erscheint heute wenig sinnvoll, da der Prozess der Industriealisierung im vollen Gange war. Überspitzt formuliert könnte man sagen: Das ist so, als ob man eine Lokomotive mit einem Springseil festbinden will.

Der 1.Weltkrieg bedeutete aber auch das Ende der Monarchie. Lediglich England behielt das Königspaar. Jedoch nahm der Einfluss und die Macht der bürgerlichen Bewohner mehr und mehr zu.

In Deutschland oder Österreich konnten sich keine gesunden Demokratien bilden. Dafür war die Lebenssituation der Menschen zu elend. Und die vertraglichen Regelungen oder das Diktat der Siegermächte liess auch keine Perspektive für die Menschen erkennen.

Von daher scheiterte die Weimarer Republik und die Türe öffnete sich für die Nationalsozialisten unter Führung Adolf Hitlers.

Nun kann man natürlich heute sagen, dass Hitler und Nazi Deutschland vermeidbar gewesen wäre. Auch der 2.Weltkrieg hätte vermieden werden können, so man den Vertrag von Versailles anders gestaltet hätte. Dies ist im Nachhinein jedoch leicht zu beurteilen.

Fakt ist, dass die Geschichte die Aneinanderreihung von Geschehnissen ist, die aufeinander aufbauen. Und die Geschichte läßt sich dabei nicht mehr rückwirkend verändern. Hätte Kaiser Wilhelm der II. und Deutschland den 1.Weltkrieg gewonnen, so hätten wir vielleicht heute noch einen Kaiser in Deutschland. Die Geschehnisse waren jedoch andere.

Das Europa um 1900 war also ein Kontinent im Aufbruch. Mann kann annehmen, dass viele Menschen damals von einem positiven Aufbruch träumten. Tatsächlich war es ein Aufbruch in ein Jahrhundert voll Krieg, Mord, Verbrechen und Elend.

Masuren bzw. Ostpreussen sollte unter diesen Entwicklungen stark leiden. Hierbei spielte die Nähe zu Russland eine entscheidende Rolle! Im übrigen eine Erkenntnis, die nicht nur den 2. sondern auch den 1.Weltkrieg betraf.

Heute bewegen wir uns auf einer ganz anderen Ebene. Das Zeitalter der Industrialisierung haben wir hinter uns gelassen. Dies ist vor allem darin begründet, dass die Ressource Erde begrenzt ist. Die Rahmenbedingungen werden durch immer knapper werdende Rohstoffe und die zunehmende Belastung der Umwelt gesetzt. Einfach gesagt: Der Mensch muss umdenken!

Wir bewegen uns mehr und mehr in das Zeitalter der Technologie und der Information. Heute kann ein Mensch, via Internet, mit einem anderen am anderen Ende der Welt kommunizieren. Information ist häufig ein wichtiges Gut, welches heute im Wirtschafts- und Produktionsleben Bedeutung hat. Technologie meint aber auch die Nutzung natürlicher Ressourcen, die permanent zur Verfügung stehen. Denken wir an Solarenergie, Windenergie oder Wasserkraft.

Wenn man das Europa von 1900 mit dem heutigen vergleicht, so hat der Mensch durchaus Fortschritte gemacht. Solange er aber viel, viel Geld für Waffen ausgibt, so besteht weiterhin viel Entwicklungspotenzial, was den Menschen angeht. Ein Zitat Albert Einsteins bringt es exakt auf den Punkt: "Welche Maus wäre so dumm eine Mausefalle zu konstruieren?". Der Mensch ist leider, im übertragenen Sinne, weiterhin mit dieser Dummheit gestraft!

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